Raus hier!

Veröffentlicht: 24/06/2011 in Medien, Online
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Ich bin in diesen Tagen dabei, mein Profil beim meinVZ einzustampfen. Ich werde es wohl vorerst aktiv lassen, aber bis auf die notwendigen Basisangaben wird es dort von mir nichts mehr zu sehen geben. Ich bin aus allen Gruppen raus außer einer, und auch die werde ich verlassen, sobald ich nicht mehr Gründer bin (klingt zwar irgendwie doof, ist aber so). Warum das ganze?

Über den Datenschutz in sozialen Netzwerken wird ja an allen Ecken diskutiert. Gerade habe ich noch einen Beitrag im TV gesehen, in dem es um Datensicherheit geht, bei mobilen Apps, aber auch in sozialen Netzwerken. Wenn es mir nur darum ginge, wäre ich wohl beim VZ noch besser aufgehoben als bei Facebook, weil das VZ sich zumindest nach deutschem Recht richtet, auch wenn sie es nicht mehr müßten, denn der Hauptsitz ist ja nicht mehr hier. Da aber die Kundschaft der VZs im Wesentlichen deutsch ist, ergibt es sich von selber, worauf geachtet wird. Facebook hat diese Hürde nicht, und ich gehe ziemlich sicher davon aus, daß alles, was ich da reinstelle, nicht mehr völlig in meiner Hand ist. Datenschutz ist also nicht der Grund für meinen Abschied aus dem VZ. Dafür müßte ich noch eher Facebook verlassen. Aber vermutlich ist es eh längst zu spät. Ich bin schließlich nicht nur dort online, ich habe auch noch zwei aktive Blogs.

Ist das VZ schlecht? Das geht schon eher in die Richtung. studiVZ (und meinVZ und dann dem SchülerVZ) wurde ja schon früh vorgeworfen, nur ein Abklatsch des US-Vorreiters Facebook zu sein. Wobei ich sagen muß, ich habe das nicht so krass empfunden. Am Anfang konnte ich mit Facebook wenig anfangen, es war für mich erst einmal weniger zugänglich, und was das Schlimmste war: Es war keiner da, den ich kannte! Die deutschen Sozilanetzwerk-Interessierten tummelten sich alle beim studiVZ, und auf Facebook waren zwar Leute aus aller Welt, aber die kannte ich nicht, und man konnte sich nicht einmal umschauen, weil man grundsätzlich an niemanden rankam, der nicht „Freund“ oder im eigenen Netzwerk war. Das „Netzwerk“ war zu der Zeit die Uni oder der Arbeitsplatz, für alle außerhalb der USA aber etwas viel unhandlicheres, nämlich das Land. Netzwerk „Germany“. Wow. Für unseren Markt war das ganze also noch nicht zugeschntten und eben auch nicht zu gebrauchen. Stattdessen war ich mit den wenigen Funktionen im VZ völlig zufrieden. Okay, der Chat war doof, ich hab ihn irgendwann abgeschaltet, aber das habe ich bei Facebook auch, aus demselben Grund.

Nun, mit der Zeit änderte sich das Bild. Facebook füllte sich gaaanz langsam und dann immer schneller mit all den Leuten, die ich kannte, und so nach und nach stellte ich dann auch fest, um wieviel komfortabler sich das blaue Netzwerk nutzen läßt. Zusammen mit einigen Organisationsänderungen und solchen Dingen verlagerte sich meine Nutzung sozialer Netzwerke fast unmerklich Richtung Facebook, bis ich vor einiger Zeit feststellte, daß ich im VZ eigentlich gar nicht mehr mache. Hinzu kommt, daß im Zuge der Datenschutzhysterie die Nutzer des VZ zunehmend dazu übergingen, Nicknames statt ihrer echten Namen zu benutzen, und daß sich außerdem eine Menge Fakes dort tummelten, die nur dazu da waren, einen auf irgendwelche Sexseiten zu locken. Und so wurde das meinVZ so nach und nach zu einem „Ort“, an dem ich gar nicht mehr so gerne war. Ich habe mein Profil vor einiger Zeit schon etwas zurückgeschraubt, und jetzt ist es praktisch leer. Wer jetzt mein Profil dort besucht, sieht nur noch, daß ich raus bin. Stattdessen bin ich bei Facebook vielleicht aktiver, als ich mir das je gedacht hatte. Noch vor einem Jahr hätte ich gelacht über mich, daß ich jeden Tag bei Facebook bin und da rumspaße. Mittlerweile lache ich nicht mehr, oder wenn, dann nicht über mich, sondern weil es eben Spaß macht. Und da ich eben viele Freunde habe, die nicht direkt vor Ort sind, ist es ein ganz gutes Mittel, um dabeizubleiben. Daß mein Mobilfunkanbieter es mir erlaubt, eine bilderlose Version von Facebook kostenlos zu benutzen, ist auch hilfreich. Und nebenbei habe ich seit einer Weile mein Blog mit Facebook vernetzt, alle neuen Artikel werden automatisch dort „beworben“, was tatsächlich zu etwas mehr Aufmerksamkeit hier führt. Und irgendwie freut es mich doch, wenn das hier gelesen wird.

Ich bin online, und in gewisser Weise lebe ich online; dieses Blog ist der beste Beweis. Die Welt, wie sie ist, wird in diese Richtung gehen, in eine Richtung der totalen Vernetzung, und ich denke nicht, daß wir das aufhalten müssen oder auch nur können; wir müssen es nur in die richtigen Bahnen lenken und uns bewußt sein, was wir hier tun. Ich schreibe ein Blog, ich schreibe hier auch manche Dinge, die ich nicht unbedingt hier raushauen müßte, ich muß gerade in meiner Funktion als Lehrer sehr sorgfältig auswählen, was ich hier hinschreibe (das ist ein Grund, warum mein erstes Blog, ein reines „Lehrerblog“, schnell wieder auslief, weil ich eben vieles nicht schreiben durfte, was ich gern geschrieben hätte). Ich muß nicht überall online leben und suche mir meine Plätze gut aus. Dies hier ist immer noch mein Lieblingsplatz, das ist mein Zuhause. Ihr seid herzlich eingeladen, mich hier zu beuschen, und ansonsten treffen wir uns auf dem großten Platz drüben bei Facebook. Und wer weiß, vielleicht ist auch das ein zwei Jahren nicht mehr „in“. Versuche gibt es ja immer wieder, aber fürs Erste habe ich mich festgelegt. Und ich habe immer noch Freude daran.

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Kommentare
  1. Jack sagt:

    Kenn ich. Ich bin vor so ca. Zwölfzig Jahren das letzte mal bei meinVZ gewesen. Wird auch mal Zeit zum löschen (im gegensatz zum Facebook geht das da ja).
    Aber auch meine Facebooknutzung ist sehr unregelmäßig. Seitdem ich von meiner Farmville-Sucht geheilt wurde, kann es sogar passieren, dass ich mal ne Woche nicht rein schaue.

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