Da sind sie ja, die Preußenfans!

Veröffentlicht: 06/11/2011 in Da draußen, Fußball, Medien, Spaß!
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Samstag, zehn Uhr, Koblenz. Ein kleiner, geradezu niedlicher Hauptbahnhof mit einem langweiligen Vorplatz und einer Ersatzbahnhofstoilette in einem Glasgebäude ebendort. Ich sehe Polizei. Immerhin vier Beamte im schwarzen bzw. grünen Overall, dazu ein Hund mit Maulkorb. Draußen patroulliert ein Wagen, in der Nähe steht noch einer. Hat die TuS Heimspiel, oder kommen hier auch die Preußenfans durch? Ich habe eine halbe Stunde Zeit, also kann ich tatsächlich mal nachfragen. Jawohl, beides stimmt. Die TuS Koblenz hat Heimspiel gegen Dortmund II (was mich spontan erschreckt – war Koblenz nicht letztens noch Zweitligist?), und in Saarbrücken gäbe es da auch noch ein Spiel. Ich erkläre dem netten Polizisten, der eigentlich gar nicht nett, sondern ernst und sachlich ist, daß Saarbrücken gegen den großartigen SC Preußen Münster spielt und das genau mein Ziel ist. Er schaut mich nur weiter ernst und sachlich an. Von mir aus, er ist ja zum Arbeiten hier, ich dagegen zum Spaß. Ich wünsche ihm einen schönen Tag und suche Gleis 9 auf, wo der RE1 nach Saarbrücken startet. Da der Zug hier eingesetzt wird, gbt es noch eine ganz schöne Auwhl an Sitzplätzen, und ich kann eine Zweiterbank für mich besetzen, vorerst jedenfalls. Nach wenigen Minuten tauchen dann auch die ersten grün gekleideten Gestalten auf. Jugendliche mit Bierdosen, das Preußentrikot noch ein wenig vorsichtig unter der Jacke versteckt, Naja, ich sollte mich nicht beschweren, ich selbst trage gar keine Preußensachen heute, nur den grünen Pulli überm weißen Hemd. Erst in Saarbrücken am Bahnhof werde ich Schal und Käppi auspacken und den Rest meiner Sachen im Schließfach versenken. Warum ich so zivil gekleidet bin? Ich habe ja nachher noch mehr Sachen vor, und ich mußte leicht packen. Naja, wollte leicht packen. In der Tat habe ich nur meinen Rucksack dabei, in dem das nötigste an Wäsche ist, dazu ein paar Schulbücher, um mich auf der langen Zugfahrt sinnvoll zu beschäftigen. Und derzeit schreibe ich einen Blogeintrag vor, der wohl erst am Sonntag online gehen kann. Ich fahre rückwärts, zu meiner Rechten ist eine Straße und ein Fluß. Die Mosel? Den Weinbergen an den Hängen nach zu urteilen paßt das.  Ich habe mir den Verlauf der Bahnstrecke nicht genau genug angeschaut, aber die Zwischenhalte weisen darauf hin, daß wir im Wesentlichen die Mosel und später die Saar entlangfahren. Das Wetter ist etwas trübe, aber trocken, und im Wagen ist es ruhig. Die paar Preußenjungs sind ja nicht der große Mob, der nur am Singen ist. Wenn der Mob hier wäre, würde ich mir vielleicht ein Bier organisieren und mitsingen, aber so halte ich mich erstmal zurück. Bier kann ich immer noch später trinken, und an Spieltagen kann es am Bahnhof durchaus von Vorteil sein, nicht für einen Fußballfan gehalten zu werden. Wenn ich mir etwas Musik auf die Ohren mache, sind die Gespräche um mich herum kaum noch zu hören. Warum ist es im Nahverkehr immer lauter als im Fernverkehr? In den Fernverkehrszügen herrscht meist Ruhe, vielleicht ein gedämpftes Murmeln, aber im Nahverkehr quatschen alle munter drauflos. Furchtbar. Sinnvoll arbeiten kann ich hier nicht, also schreibe ich einfach hier weiter. „Stream of consciousness“ heißt das literarisch, glaube ich. Gibt es ein deutsches Wort? Egal, ich denke mehr über Englisch nach. Die Klausur für die Zwölfer steht im Wesentlichen, die Stunden für nächste Woche auch. Die knapp anderthalb Stunden im Eurocity waren sehr fruchtbar, da hatte ich Ruhe, Platz und einen Tisch. Morgen kann ich drei Stunden lang im Intercity die Ruhe des Fernverkehrs genießen. Ich hoffe nur, daß der Nahverkehrszug vorher pünktlich fährt, die Umsteigezeit scheint mir etwas knapp. Ach, wird schon. Fürs erste freue ich mich auf den heutigen Nachmittag und Abend mit Fußball, Ballett und kleiner Saarbrückentour mit halbwegs kundiger Führung. Genug für jetzt, ich werde mich jetzt ein Weilchen meiner Lektüre widmen. „Jane Eyre“, ein englischer Klassiker, den ich einige Wochen beiseitegelegt hatte und jetzt mit umso mehr Elan wieder angefangen habe. Ich bin gespannt, wie es weitergeht, wo Mr Rochester geblieben ist, was es mit Grce Poole auf sich hat und wie sich die Beziehung zwischen Jane und Rochester weiter entwickelt. Naja, das Ende kenne ich praktisch schon, dank meiner mehrmaligen Lektüre von Jasper Fforde’s „The Eyre Affair“, das ja für mich auch die Inspiration gewesen ist, mir das Original mal vorzunehmen. Während der Zug weiter die Mosel mit ihren beeindruckenden Felswänden entlangfährt, lasse ich mich ins viktorianische England entführen und melde mich vorerst ab.

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